Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Aus dem Gleichgewicht

Die Geschichte der niederländischen Triathletin Els Visser fasziniert mich: Sie nimmt 2016 zum ersten Mal überhaupt an einem Triathlon teil und gewinnt die Sprintdistanz. Ihr nächstes Ziel ist ambitioniert – der Ironman Zürich 2017, doch sie lässt sich trotz aller Bedenken nicht entmutigen. Sie finisht als viertbeste Frau in unter zehn Stunden. Dieses Jahr – mittlerweile geht sie als Profi an den Start – gewinnt sie den Ironman Maastricht.

Welche Willenskraft muss diese Frau haben? Oder sie ist einfach ein Talent. Aber sie strahlt etwas aus, das nicht jeder hat. Dann habe ich einen Beitrag auf ihrem Blog mit dem Titel „Mental Game“ entdeckt, in dem sie eine harte Woche beschreibt. Das Gefühl ungewöhnlich müde zu sein, kraftlos und Trainingseinheiten abbrechen zu wollen. Die Veränderungen durch den Profisport hatten sie kurz eingeholt und überwältigt. Es war wie eine Offenbarung: Selbst diese Ausnahmeathletin hat manchmal mit ihrer Leidenschaft zu kämpfen.

Mitte Juli habe ich eine Laufeinheit abgebrochen, einfach nach fünf Minuten aufgehört, was ich normalerweise nicht machen würde. Ich war an einem Punkt angelangt, wo ich mir die Frage nach dem „Warum“ nicht mehr beantworten konnte. 

einmaligZuvor sind im Verlauf weniger Wochen meine erste olympische Distanz, der Stadtlauf Traunreut und der Thumsee Triathlon über die Bühne gegangen. Alles erfolgreiche Teilnahmen, vor allem auf mein Ergebnis beim Stadtlauf bin ich stolz. Ich habe mein Ziel, die sieben Kilometer in weniger als 35 Minuten zu laufen, erreichen können. Für mich ist klar gewesen, mit den Trainingsplänen nahtlos weiter zu machen, schließlich wartet das nächste Ziel. Und so habe ich immer weiter und mehr gemacht, ohne mir einzugestehen, wie es mir darüber hinaus geht. Mehreres ist zusammengekommen und ich bin nicht mehr im Flow gewesen. Das Local-Heroes-Team hat liebe Worte gefunden, mir geraten eine Pause einzulegen und nur so viel zu trainieren, wie es mir wirklich Spaß macht. Und daran habe ich mich auch gehalten.

Ein großartiger Tag war der Arber Radmarathon in Regensburg, auch wenn mir mehrere Bekannte nicht glauben wollen, dass 125 Kilometer Rennradfahren mit 1400 Höhenmeter in der Sommerhitze Spaß macht. 😉 Es war ein besonderes Erlebnis mit tausenden anderen Radfahrern auf der Strecke zu sein, die landschaftlich viel zu bieten hat. 

Ich habe den Sommer genossen, war viel in den Bergen, auf dem Rad und im Wasser unterwegs. Ohne Sport geht bei mir nichts und meine Batterien sind wieder aufgeladen. Und so bin ich Ende August zurück gewesen, bereit wieder einzusteigen. Ich habe mich und meine Grenzen ein bisschen besser kennengelernt und begriffen, dass es keinen Grund gibt, sich unter Druck zu setzen. Vor allem in dieser Hinsicht: Warum sollte nicht beides möglich sein, Studium und Triathlon? Ich bin optimistisch, denn meine Trainingsbedingungen in Würzburg sind vielversprechend. Zum Beispiel ist ein Hallenbad nur wenige hundert Meter von meinem WG-Zimmer entfernt. Mitte Oktober wird dieser aufregende, neue Lebensabschnitt offiziell beginnen.

Els Visser hat schnell zu ihrer mentalen Stärke zurückgefunden. Sie schreibt: „There will come more of these moments, but I have that champion’s einmaligmentality and have in my mind that I will do what’s the best for my performance and to make the best of what I can be. And overall I am so fortunate to have the opportunity to swim, bike and run every day and enjoy the sessions I do. With this in my mind, I can go through these sometimes tough moments!”