Interview mit Annika Zimmermann: „Hawaii, das ist immer Gänsehaut!“

Der triathletische Jahreshöhepunkt ist nicht mehr weit. Die einen packen ihre Koffer, die anderen planen bereits, welche Snacks und Getränke während der längsten TV-Nacht des Jahres auf den Tisch kommen. Annika Zimmermann wird am 13. Oktober dafür sorgen, dass die Daheimgebliebenen stets gut informiert sind. Die Moderatorin, die Sportbegeisterte von Übertragungen der Fußball WM oder Morgenmenschen aus dem ZDF Morgenmagazin kennen, wird die IRONMAN WM auf Big Island moderieren. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Hallo Annika, in den nächsten Tagen reist du nach Hawaii, um die Ironman World Championship zu moderieren. Gab es etwas, was du gerne mitgenommen hättest, das aber nicht mehr in den Koffer passte?

Hallo liebes CST Team!
Tatsächlich bin ich beim Kofferpacken immer recht einfach gestrickt: je weniger ich einpacke, desto weniger muss ich – in dem Fall – um die halbe Welt schleppen. Und ich betone es ja gern: auf Hawaii hat es 30 Grad und nachts nicht unter 20. Mehr als ein Pulli wurde es nicht, dafür genug Bikinis und kurze Sachen zum wechseln 😉
Ich hoffe eher, um im Bild zu bleiben, dass mein breites Grinsen mit in den Flieger passt. Breiter geht einfach nicht, so sehr freue ich mich wieder auf die Zeit in Aloha-Land. Es gibt keine schönere Zeit, keinen aufregenderen Ort, keine bessere Dienstreise.

Für viele stehen die aufregendsten Tage des Jahres oder sogar ihres Sportlerlebens bevor. Für einige bedeuten Sonne und Palmen Urlaub und der Genuss eines großen Spektakels. Wie werden deine Tage auf Big Island aussehen?

Sicher bin auch ich dort im Tunnel und werde Palmen und Strand nur aus der Ferne wahrnehmen. Auch wenn es natürlich etwas komplett anderes ist, als Athlet den 13. Oktober zu bestreiten, haben auch wir jede Menge zu tun. Wir produzieren bereits in der Woche vor dem Rennen für das morgenmagazin. Das heißt jeden Tag live, dazu Drehs und Beiträge, die wir auf dem Hotelzimmer vorab schneiden. Ein Gutes hat die Zeitverschiebung von 12 Stunden: die live-Situation ist zwischen 17.30-20.30 Uhr. Also ganz „bequem“ am Abend statt frühmorgens wie sonst in Deutschland. Und dann noch draußen in FlipFlops statt im Studio – einfach nur klasse! 🙂

Zwischen Morgenmagazin, Sportübertragung und eigenem Fitnessprogramm – ähnlich wie viele Triathleten kennst auch Du die Schwierigkeiten eines vollen Terminkalenders. Was ist Dein Tipp, um trotzdem entspannt und gesund zu bleiben?

Alles geht nie, also versuche es auch gar nicht. Und weniger ist oft mehr. Keine Weltneuheiten – aber wer setzt sie wirklich um, und das tagtäglich, und in jedem Lebensbereich?
Sei flexibel und schaue, was sich verbinden lässt. Priorisiere klar. Es ist ein Abwiegen und Ausbalancieren. Tag für Tag. Und das muss jeder für sich selbst finden. Es ist zunächst sehr schwer, aber mit etwas Übung auch sehr einfach. Man sollte immer die Antennen nach innen eingeschaltet haben: auf den Körper hören und sich immer wieder selbst hinterfragen. Perfekt ist keiner – und das ist auch gut so.

In deinem Buch „Fit und fröhlich“ geht es genau darum: Die ideale Work-Life Balance. Wie entstand die Idee zu dem Buch und seinen Inhalten?

Verlag, einmaligIch scheine genau das auszustrahlen und die Leute interessierte es über die Jahre, wie ich das denn mache. In den Sendewochen im ZDF immer so früh aufzustehen, regelmäßig Sport und gesunde Ernährung unter einen Hut zu bringen. Und daran auch noch Spaß haben und jeden Morgen wieder fröhlich und motiviert aus den Federn zu hüpfen.
Ich bin den Nachfragen mittlerweile sehr dankbar, denn dadurch geht man mal den berühmten Schritt zur Seite und beleuchtet das, was man da so macht. Und wie man es für jeden erklärbar und individuell machbar darstellt. Dadurch konnte ich das Buch schreiben: es ist ja nicht im Sinne „so macht das die Annika – bitte nachmachen!“ geschrieben. Sondern es ist eine Art Werkzeugkoffer, bei dem sich jeder die Hilfe herausnehmen kann, die er für sich selbst braucht. Heutzutage wird so viel verglichen und alles muss immer schneller und besser werden.
In meinem Buch findet man in den Bereichen Fitness, Alltagsmanagement und Ernährung genug Wissens-Basics sowie Tipps und Übungen, Rezepte und Anleitungen, um mit sich selbst zufriedener zu sein. Denn mit sich selbst im Reinen zu sein, und nicht für die anderen etwas zu sein, ist mir sehr wichtig.

Zum zweiten Mal moderierst Du den Ironman Hawaii für das ZDF. Was war Dein bisher lustigstes oder beeindruckendstes Erlebnis?

Hawaii, das ist ja immer Gänsehaut. Also denke ich eher an beeindruckende Erlebnisse statt spaßige. Es gibt so viele davon!
Ich habe mir immer gesagt: wenn ich das erste Mal vor Ort bin und das alles live statt nachts vor dem Fernseher erleben kann, dann bin ich an der Finish Line. Bis zur letzten Minute. Das war letztes Jahr leichter gesagt als getan – mit 4 Uhr morgens Arbeitsbeginn und dann immer auf der Strecke unterwegs, immer Live, und alles in der Riesenhitze. Man ist schon platt. Aber, es ist ja nichts im Vergleich zu den Athleten auf der Strecke. Und nach Arbeitsende, so ca. 19 Uhr, bin ich zum Ziel. Ich konnte nicht mehr stehen, war sozusagen stehend ko. Aber es war eines der besondersten Erlebnisse in meinem Leben. All die Dramen und Emotionen, die sich auf diesem dünnen Zielstrich zeigen. Für wenige Sekunden. Und die vorangegangenen Stunden Qual sind egal. Geschweige die Jahre der Vorbereitung, um dorthin zu kommen. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Eine Frau hat all dies übertroffen: sie kam mit einer Art Urne ins Ziel, in der letzten Stunde vor Zielschluss. Sie hatte ihren verstorbenen Mann bei sich. Auf dem Sterbebett hatte sie ihm versprochen, für sie beide Hawaii zu laufen – das war das große, unvollendete Ziel ihres Mannes gewesen. Die Frau hatte bis dahin keinen Triathlon gemacht. Und dann eben damit angefangen. Mir schnürt es beim Gedanken an diese Leistung und das Commitment jedes Mal die Kehle zu. Das ist wohl Hawaii.

Du kennst und schätzt auch den EBERL Chiemsee Triathlon. Was findest du an dem Event besonders?

Keine Frage, der Chiemsee Triathlon ist etwas ganz Besonderes. Um das zu merken, muss man nicht ans andere Ende der Welt reisen. Ich denke, was mich dort so begeistert, ist die Begeisterung. Tatsache: alle dort sind gerne da. Ob sie teilnehmen, arbeiten, helfen oder zusehen. Das hat etwas Rundes, Stimmiges, Herzliches. Und das ist nur möglich mit der großen Hingabe der Helfer und der professionellen Veranstalter. Von diesem Fleiß und der Organisation könnten sich sehr viele Unternehmen sehr viele Scheiben abschneiden. True words!

Auf ihrer Website findest du mehr über Annika Zimmermann.

Fotos: Annika Zimmermann