Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Regeneration

Es ist Samstag, der 14. April, abends, und eigentlich will ich morgen beim Waginger Straßenlauf über die sieben Kilometer starten. Er würde als Tempoeinheit gut in den Plan passen und ich habe Lust zu testen, ob ich 35 Minuten mittlerweile unterbieten kann. Doch über die Woche hinweg verketten sich die Umstände ungünstig: 

1. Ich bekomme nicht genügend Schlaf, weil ich das um 20 Uhr ins Bett gehen nicht konsequent durchziehe. Richtig, 20 Uhr. Ich habe einen Ferienjob in Schichtarbeit, Früh- und Spätschicht wechseln sich ab. In der Frühschicht stehe ich um 4 Uhr morgens auf. Will ich also meine acht Stunden Schlaf, sollte spätestens nach der Tagesschau das Licht aus sein. 

2. Am Donnerstag wartet beim Schwimmen unter anderem eine Pyramide auf mich mit 100-200-300-400-300-200-100 Meter. Der Vergleich von Volks- und Kurzdistanz ist recht interessant: Während sich die Strecken vom Radfahren (40 statt 20 Kilometer) und Laufen (Zehn statt fünf Kilometer) verdoppeln, wird das Schwimmen verdreifacht (1,5 Kilometer statt 500 Meter). Somit ist klar, dass besonders die Trainingsumfänge im Wasser zunehmen müssen. Aber dieses Mal gefällt das meinem Körper nicht sehr, denn am nächsten Tag steige ich verspannt aufs Rad…

3. …und werde von einem Unwetter überrascht. 

Andrea Seehuber, einmalig4. Danach besuche ich einen Arbeitskollegen, der Geburtstag feiert. In einer großen Runde sitzen wir gemütlich zusammen, ein schöner Abend. Aber mein Schlafmangel bleibt. Fünf Stunden später stehe ich wieder auf, um mich mit Steffi, Magarethe Aschauer, Athletin der Skicross Weltcupmannschaft, und Caroline Krüppel, Geschäftsführerin von Dr. Lenhart’s, zum Frühstücken am Chiemsee zu treffen. Auch das ist ein Termin, auf den ich mich sehr gefreut habe.
Dr. Lenhart’s stellt Einlegesohlen für Sportler her. Es steckt viel Wissenschaft dahinter, bis rein in die evolutionären Anfänge des aufrechten Ganges. Ein kleiner Knubbel in der Mitte soll auf die Fußsohle drücken, den Fuß so stabilisieren und damit den gesamten Körper. Bei meinem ersten Lauf hat es sich gut angefühlt.

Andrea Seehuber, einmalig5. Direkt im Anschluss daran fahren Steffi und ich zu Pam. Neben unserem Lauftechniktraining wollen wir uns einmal im Monat für Stabiübungen treffen. Und es ist Gold wert. Pam zeigt uns einiges und erklärt die richtige Ausführung. Der Rest liegt bei uns. Pam ist nach eigenen Worten schon gespannt, wie es uns nächstes Mal geht. 

Wie immer ist es schön, zu dritt etwas zu unternehmen, nur als ich am Nachmittag daheim bin, bin ich platt. Müde und zittrig vom Zusammenspiel der letzten Tage. Mittlerweile ist mir klar: morgen sollte ich nicht mitlaufen. Es würde meinen derzeitigen Leistungsstand und den weiteren Verlauf unnötig gefährden, wenn der Körper danach wirklich nicht mehr kann. Also schildere ich Bernd die vergangenen Tage. Er ist der gleichen Meinung. 

Meine nächsten drei Tage sind bis auf die Stabiübungen ruhig. Die Belohnung ist eine perfekte, neue Trainingswoche. Vor allem die Rennradeinheit zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich teste den Triathlonlenker, der mir vor ein paar Tagen beim Zweirad Stadler in Hammerau montiert wurde. Es ist das erste Mal, dass ich mit so etwas fahre. Ich habe den Spaß meines Lebens. Ein bisschen fühlt es sich an wie im Wettkampf.

Andrea Seehuber, einmalig

Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Halt. Stopp.

Woran merkt man, dass die Zeit in gefühlt doppelter Geschwindigkeit an mir vorbeizieht? Daran, dass meine „Berichtedichte“ abnimmt. Aber hier bin ich wieder und melde mich zwischen Training und Alltag schnell zu Wort.

Dass ich meine Trainingserfahrungen jetzt ein paar Wochen nicht auf den neusten Stand gebracht habe, ist kein schlechtes Zeichen, im Gegenteil. Zielstrebig bewegen wir uns auf das letzte Juniwochenende zu. Einheit um Einheit rückt die erste Kurzdistanz näher. Es macht mir Spaß, das Training auf die Wochentage zu verteilen und den Plan durchzuziehen. Sieben Tage sind vorbei und der Kreislauf beginnt von neuem. Immer wieder, bis man sich plötzlich vor Augen führt: es sind nur noch zweieinhalb Monate.

Die Erkenntnis kam Steffi und mir, als wir gemeinsam mit Trainerin Pamela Gutsch an der Lauftechnik gefeilt haben. Ein Training, das viel Konzentration abverlangt, weil man seine Bewegungsabläufe genau unter die Lupe nimmt. Der Kopf beschwert sich am Anfang. „Was, ich darf nicht einfach abschalten und den Körper so wie immer machen lassen?“

Pam zeigt uns mehrere Übungen, macht Videoaufnahmen und erklärt uns genau, woran wir arbeiten müssen. Bei mir geht es besonders darum, die Hände nicht so weit und überkreuz vor die Brust zu bewegen. Wir lernen so effizient wie möglich einen Anstieg zu bewältigen und durch eine gerade Haltung schneller zu werden. Und wir haben richtig viel Spaß. Zwei Monate nach der Chiemgau Team Trophy endlich wieder vereint.

Ein Training speziell für die Lauftechnik möchte Pam einmal im Monat mit uns machen. Beim Auslaufen rechnet sie laut nach: „Einmal noch im April, im Mai und vielleicht im Juni, also auf alle Fälle noch zwei Mal.“ Der Moment der Erkenntnis. Noch zwei oder drei Mal Lauftechnik und dann ist der Wettkampf, so schnell geht’s. Zusätzlich werden wir uns aber noch für Stabilisationsübungen treffen. Dann kann wirklich nichts mehr schief gehen, vor allem weil uns im Gesundheitszentrum Chiemgau auch ein Athletiktraining für daheim zusammengestellt wurde.

Das wird zwar leider dazu führen, dass ich nicht mehr so oft im Gesundheitszentrum vor Ort bin, aber andererseits wird das Wetter immer besser. In anderen Worten: endlich wieder Rennradfahren. Ich hab’s sehr vermisst. Da kann es auch mal passieren, dass aus den angesetzten 90 Minuten 140 werden. Ups. Das könnte mir am Wochenende wieder passieren.

Motiviert und der Kurzdistanz gewachsen

Um nochmal auf die Erkenntnis zurück zu kommen: Ich fühle mich motiviert und der Kurzdistanz gewachsen, das ist also nicht der Grund, warum ich mir wünsche, die Zeit würde langsamer vergehen. Vielmehr will ich den Prozess wirklich bewusst erleben und auskosten. Und das gilt für so viel mehr. Nach meinem Abitur im letzten Sommer habe ich mich für ein freies Jahr entschieden. Eine spannende, vielfältige Zeit. Bald geht es darum, sich für das Studium zu bewerben, das im Oktober beginnt, auf Wohnungssuche zu gehen und die (Sport)sachen zu packen. Ein neuer, aufregender Lebensabschnitt.

Mir fällt jetzt nicht einmal ein kitschig schönes Zitat über das Leben oder die Zukunft ein, um den Text abzurunden, so dankbar bin ich für alles was war, ist und kommt.

Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Man wächst mit seinen Aufgaben

Es ist Sonntag vor einer Woche. Ich gehe davon aus, dass für die zehnte Kalenderwoche (die vergangene Woche) Spinning auf dem Programm steht und melde mich für einen Kurs am Montagvormittag an. Das ist meine einzige Möglichkeit einen Spinning-Kurs im Gesundheitszentrum Chiemgau zu besuchen, weil ich bei meinem Ferienjob für die Spätschicht dran bin. Montag in der Früh sehe ich: Es sind 2x Schwimmen und 2x Laufen vorgesehen. Kein Problem, denke ich mir, ich werde trotzdem nach Traunstein fahren und an den Geräten trainieren. Am Empfang melde ich mich vom Kurs ab. Dann schaue ich in der Umkleide auf mein Handy und lese eine Nachricht von Trainer Bernd Rose: „Hi Andrea, Steffi möchte auf das Spinning nicht verzichten und macht das dann zusätzlich diese Woche…möchtest du auch, oder willst du bei deinem Pensum bleiben?“ Ja, wenn das so ist. Ich gehe zurück zum Empfang und lasse mich wieder auf die Liste setzen. Erstmals habe ich in einer Woche fünf Einheiten vor mir.

  • Montag: Das Spinning war gut. Aber ich denke sofort daran, dass vom eigentlichen Plan nichts erledigt ist.
  • Dienstag: Ich erstelle eine Musikplaylist, die ich im Training hernehmen will. Laufen steht auf dem Programm. Und (Achtung, schlechter Wortwitz) es läuft. Ein lockerer Lauf im Grundlagentempo mit mehreren Steigerungsläufen am Schluss. Passt, fertig. Nein, noch nicht. Ich reiße mich zusammen und hänge eine Viertelstunde Stabilisationsübungen dran. In Zukunft werde ich nicht immer die Zeit haben, für das Athletiktraining nach Traunstein zu fahren und sollte mich besser daran gewöhnen. Na gut.
  • Mittwoch: Nach einer Laufeinheit nehme ich mir oft einen Ruhetag, so auch heute. Aber ein kurzes Athletiktraining muss sein.
  • Andrea Seehuber

    Donnerstag: Laufeinheit Nr.2. Das Intervalltraining, das mich letzte Woche so begeistert hat. Mir gefällt es sehr, vormittags zu trainieren. Kein Mensch kommt mir unter. Generell bin ich fasziniert, wie sich meine Haltung zum Laufen in den letzten Monaten verändert hat. Auf meiner Beliebtheitsskala ist es weit nach oben gerutscht.

  • Freitag: Nach der Arbeit gehe ich ins Hallenbad Traunreut. Ich lasse den Gedanken, ob ich lieber heim will, weil es ja schon so spät ist und ich es morgen auch machen kann und sowieso, nicht zu, hake einen Punkt nach dem anderen auf meinem Trainingsplan ab. Es ist ein gutes Gefühl, vier von fünf Einheiten erledigt zu haben.
  • Samstag: Ruhetag = einen tollen Sportbikini und eine kurze Laufhose kaufen
  • Sonntag: Schwimmen Nr.2. Einige Zeit habe ich die Sportlerbahn nur für mich, bis ein junger Mann kommt. Ich nehme einen Schluck aus meiner Trinkflasche und schiele auf seinen Trainingsplan. Wahnsinn, das dürfte ein Umfang von drei Kilometer sein. Mir fällt seine Sporttasche ins Auge – es ist ein Rucksack von der Challenge Walchsee-Kaiserwinkl.

Und schon sind sieben Tage vorbei. In dieser Woche habe ich vor allem registriert, dass mein Körper (oder ist es mein Kopf) mittlerweile mehr Training braucht. War ich früher laufen, habe ich am nächsten Tag noch die Anstrengung gespürt, war zufrieden und habe ich dann keinen Sport getrieben. Jetzt fühle ich mich am nächsten Tag fast immer, als hätte ich Training nötig. Zum Glück, sonst wäre es eine harte Woche geworden. Es war eine Herausforderung, aber im motivierenden Sinne. Ich fühlte mich dem gewachsen.

Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Visualisierung

„Schau den Zielpunkt an. Denk an Triathlon. Da vorne, das Ziel ist gleich da. Visualisierung. Schau nach vorne.“ Meine Lauftrainerin Pamela Gutsch redet mir unentwegt zu, versucht mir zu helfen, weiter einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ich versuche ihre Tipps anzuwenden, doch mein Blick springt immer wieder zurück zum Touchscreen des Laufbandes, genauer, zur verbleibenden Zeit. Die Sekunden, die mir noch fehlen, um drei Minuten lang ein Lauftempo von 16 km/h durchgehalten zu haben. Meine Beine fühlen sich komisch schwach an. Die Versuchung, stehen zu bleiben, ist groß. Aber das Fließband unter meinen Füßen dreht sich ungebremst weiter. Dann renne ich mit einem Fuß vorne gegen das Plastik und komme aus meinem Rhythmus raus. Ich muss mich festhalten, was die Stimme in meinem Kopf, die an meine Bequemlichkeit plädiert, sofort nutzt. In diesem kurzen schwachen Moment fällt meine Widerstandskraft zusammen und ich breche den Laktattest ab, kurz vor dem Ziel, das ich mir für diesen Tag gesetzt hatte.

Bereits das dritte Mal durfte ich in den Räumen des Laufbandherstellers h/p/cosmos meine Pulsbereiche ermitteln. In meinem Bericht „(An)spannung“ habe ich die Biologie hinter einem Laktattest, dessen Sinn und Ablauf genauer beschrieben. Dieses Mal war es genauso konzipiert. Bei der Startgeschwindigkeit von 6km/h bin ich noch gegangen, Schrittgeschwindigkeit, worüber wir uns köstlich amüsiert haben. 30 Sekunden Pause. Blutprobe. Drei Minuten lang 8km/h. Und so weiter. Bis man nicht mehr kann. Jeder hat irgendwo seine Grenze, jeder Amateur, jeder Profi. Man lebt ruhiger, wenn man das akzeptiert hat und den Ehrgeiz in seine gesunden Schranken weist. Also lasse ich es jetzt bleiben und schreibe von den Erfolgen, die mir der Test schriftlich bescheinigt hat:

Die Vorbereitung auf die CTT hat sich vor allem für meine Ausdauer bezahlt gemacht. Bei gleichem Puls bin ich um 2km/h schneller. In anderen Worten: Habe ich vor neun Monaten bei einer Geschwindigkeit von 10km/h noch 178 Herzschläge pro Minute gehabt, laufe ich jetzt 12km/h mit 181 Herzschlägen. Vor dem Test war ich nervös, obwohl mir klar war, wie unbegründet die Sorge ist, meine Werte könnten sich trotz der vielen Bewegung nicht oder nur kaum verändert haben.

Wenn ich auf die „Off-Season“ zurückblicke, habe ich wirklich drauf geachtet, nichts schleifen zu lassen. An erster Stelle standen der Spaß und die Freiwilligkeit, aber trotzdem habe ich überlegt, was und wie ich trainieren könnte. Für das eigene Training verantwortlich zu sein ist stressig. Sind die Umfänge und Übungen richtig? Bringt es mich dahin, wo ich hin will? Ich weiß, dass es unter Amateuren wie mir nicht der Normalfall ist, einen professionellen, abgestimmten Trainingsplan zur Verfügung gestellt zu bekommen. Es ist ein Privileg, das ich wirklich schätze. Sonntagabends drucke ich ihn aus, DINA4, und pinne ihn an meine Wand. Die kleinen Etappenziele wortwörtlich greifbar.

Schon zwei Trainingspläne hängen dort. Bisher läuft es rund und meine Vorfreude war berechtigt. In nächster Zeit ersetzt noch Spinning das Rennradfahren, wofür Steffi und ich Kurse im Gesundheitszentrum Chiemgau besuchen. Eine schöne Abwechslung zu den vielen Stunden in denen man für sich allein trainiert. „Da ist man einfach noch mehr bereit, sich richtig zu quälen“, bemerkt Steffi im Traunsteiner Tagblatt. Das unterschreib ich. Das nicht: „Mich zeichnet eine Abneigung gegen Intervalltraining aus“, zumindest nicht in dieser absoluten Ausdrucksweise. Das habe ich mal geschrieben. Ja, es sind harte Trainingseinheiten, aber nicht nur für mich. Niemand macht das wirklich gern. Ein Teammitglied vom TSV Chieming sagte: „Sie sind nicht schön, aber sie machen schnell“. Ein Grund sie zu mögen. Und jetzt hat Bernd es tatsächlich geschafft, mir ein Laufintervalltraining zusammenzustellen, das ich mag. Der Hauptteil besteht unter anderem aus zwölf Mal abwechselnd einer Minute Tempo und einer Minute locker Laufen als Pause. Hat mir gefallen.

Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Jahrestag

Vor genau einem Jahr, am 2. Februar 2017, wurde ich um einen Rückruf gebeten.

So banal und unbedeutend das klingen mag, aber hätte das Telefonat nicht stattgefunden, würden Sie diesen Text nicht lesen. Denn am selben Abend schrieb ich in mein Tagebuch: „Ich wurde für das Local Heroes Projekt ausgewählt!“.

Drei Monate zuvor: Beim Zeitunglesen fällt mir eine Pressemitteilung auf. Sie betrifft den Chiemsee Triathlon und ist eine Ausschreibung für ein Projekt, das sich „Local Heroes“ nennt. Zwei Auserwählte erhalten die Möglichkeit am Chiemsee den ersten Triathlon ihres Lebens zu bestreiten. Vorausgesetzt man kommt aus der Region und ist volljährig. Drei Wochen später, sofort nach meinem 18. Geburtstag, schicke ich die Bewerbung los. Meine ersten Sätze lauten: „Mein Fitnessstudio ist für mich die Natur vor der Haustür. Genauso ist es mir schon als Kind gegangen, nur mit dem Unterschied, dass es damals der Spielplatz und nicht das Fitnessstudio war. Ich weiß, es ist nicht sehr originell zu behaupten, dass man es schon immer geliebt hat draußen zu sein, aber ich hoffe einfach, dass Sie mir das glauben.“ Ich habe mir gewünscht, dass es klappt, aber sicher konnte ich mir nicht sein. Wer weiß, wie viele sich beworben haben. An diesem 2. Februar 2017 war ich also in guter Laune. Aber wirklich vorausgesehen, was bzw. wie viel passieren wird, habe ich nicht:

Kraulen lernen, ein Schwimmseminar mit Europameister Jan Wolfgarten, Freiwasserschwimmen im Neoprenanzug, erstmals Rennradfahren und Koppeltraining, zwei Pressekonferenzen mit Triathlon-Profis, Swim & Run + Bike – Trainingstag, Trainingswochenenden des Tri Teams Chieming mit Christian Jais, Beitritt Tri Team Chieming, zwei Laktattests bei h/p/cosmos, Triathlon-Debut in Chieming, Helfersein bei Kurz-und Mitteldistanz, Wettkämpfe in Waging und Grassau, unerwartete Fortsetzung des Projekts, vier Laufwettkämpfe, Trainingsmöglichkeit im Gesundheitszentrum Traunstein, Aufbau einer Ausrüstung, Biathlon live in Ruhpolding, Langlaufen lernen, Chiemgau Team Trophy. Kurz habe ich versucht nachzuzählen, wie viele neue Leute ich im Zuge des Projekts kennengelernt habe. Die Idee habe ich schnell aufgegeben. Eine Zahl wollte ich aber unbedingt nachrechnen: Wenn man alle 15 Trainingspläne zusammenzählt, wie viel war ich im Wasser, auf dem Rad oder mit Laufschuhen unterwegs? Insgesamt bin ich 17,125 Kilometer geschwommen, 13 Stunden auf dem Rad gesessen, sowie 20 Stunden und sieben Minuten gelaufen.

Welche Strecke ich bisher mit Langlaufski zurückgelegt habe, weiß ich nicht, bis auf eine Ausnahme: Letzten Sonntag waren es 43 Kilometer. Ich rede natürlich von der Chiemgau Team Trophy.

Der Anblick von achthundert Startern, eine Schlange über mehrere hundert Meter, beeindruckt mich sehr. Ich stelle mir vor, wie es wohl in der ersten Reihe sein muss. Sind die Sportler angespannt und nervös? Schließlich dürfen sie ein ordentliches Tempo vorlegen. Wir stehen weiter hinten. Ruhig starten und die Kräfte einteilen, das ist der Plan. Die folgenden fünfeinhalb Stunden sind zusammengefasst so abgelaufen: „So schlimm sind die Steigungen gar nicht. Ach, ich liebe Langlaufen. So, Zeit für eine kurze Technikübung. Fast in Ruhpolding. Endlich Essen. Preiset den Erfinder des Loipenfutters! (Anmerkung: Riegel vom Kur Cafe Ruhpolding mit Mandeln, Trockenfrüchte, Haferflocken, Schokolade, Sonnenblumenkerne…) Ups, ziemlich lang geratscht, weiter geht’s. Da ist die Chiemgau Arena mit der nächsten Verpflegungsstation, das ging flott. Hey, so schnell trifft man sich wieder. Gut, die nächste Etappe geht auch noch! Ha, hier beim Weidsee haben wir immer trainiert Pam, Heimvorteil. Ok, jetzt geht es zwar lange bergauf, aber nicht wirklich steil – hat was Meditatives. Die letzte Station vor dem Ziel, ich lasse mir schnell die Skier wachsen. Nein, den Bus brauchen wir nicht – in der Wartezeit schafft man einige Kilometer, da kann man gleich zu Ende laufen. Puh, langsam wird es zäh, vor allem meine Knöchel schmerzen und die Technik leidet. Halleluja, noch einen Kilometer. Geschafft.“

244,3 Kilometer: die Leistung des Local-Heroes-Teams. Unter anderem erbracht von Bernd Rose und seinem achtjährigen Sohn Leopold. Mit acht Jahren 31,4 Kilometer zurückgelegt. Leopold war zurecht unser Mannschaftsführer.

Ich bedanke mich bei Sven, für den Impuls, das Langlaufen und die CTT auszuprobieren. Schon wieder eine Sportart, die mir wahnsinnig gut gefällt. Wir haben schon gescherzt, was wohl als nächstes kommt – Skispringen?

Local Hero Andrea Seehuber bloggt: In den Startlöchern

Regungslos verharren die Biathleten in ihren Angriffspositionen. Angespannt warten sie auf das Startsignal, auf den Moment, in dem sie sich mit den Stöcken nach vorne drücken und auf den Ski beschleunigen. „Fünf, vier, drei, zwei, eins, los!“. Tausende Zuschauer applaudieren, stampfen mit den Füßen, schwenken Fahnen der sechsundzwanzig teilnehmenden Nationen und ich bin mittendrin, mitten unter den Fans auf der ausgebuchten Tribüne. Ich lasse meinen Blick schweifen. Ein hervorragender Platz, um das Rennen zu verfolgen. Angetan von der pulsierenden Atmosphäre fällt es mir schwer, mich ruhig zu halten. Unentwegt verlagere ich mein Gewicht von einem aufs andere Bein. Ok, es ist nicht nur Aufregung. Mir ist kalt. Und noch so viel: ich bin selbst schuld. Aber was tut man nicht, um seine Freunde zu erheitern. 😉 Aber halb so wild, die Männerstaffel beim Biathlon Weltcup in Ruhpolding nimmt alle Aufmerksamkeit in Anspruch. Bis zum Schluss offen, so schnell und eine Präsentation der schönsten Langlauftechnik, auf die Pam (unsere Lauftrainerin im Local Heroes-Projekt) und ich besonders achten, seit wir auf die Chiemgau Team Trophy trainieren.

Das ist mein Team: CST-Local Heroes & Friends. Mit Steffi, Pam, Trainer Bernd Rose und seinem Sohn Leopold. Leopold führt unser Team an und das zu recht – sein Talent im Sport ist unverkennbar. Während Vater und Sohn das Langlaufen bereits auf einem Niveau beherrschen, das über den Anfänger weit hinausgeht, fangen die Mädels und ich von null an. Ein weiterer Band in meiner Buchreihe „Warum nicht?“. Man könnte meinen, dass ich mit dem Triathlon schon etwas so dermaßen großes Neues begonnen habe, dass vorerst keine weitere Sportart in mein Leben tritt. Falsch, vor allem da sich Langlauf und Triathlon nicht ausschließen, sondern ergänzen. Wieder ist es ein Erfolg, gemessen daran, wie viel Spaß es mir macht. Von der „Gemeinsam Fit“-Trainingsgruppe unter Anleitung von Langlauflehrer Bernhard Huber über Soloversuche hin zu Verabredungen mit Freunden, hat meine „Langlaufkarriere“ verschiedenes erlebt. Und es wird. Pam und ich sind, was Tempo und Können betrifft, ungefähr gleich auf. Wir wollen mehr oder weniger gemeinsam laufen und nehmen uns der Herausforderung von 43,4 Kilometern an. Ich bin gespannt. Klar ist, dass mit dem 28. Januar das Langlaufen nicht erledigt ist.

Mir kommt es so vor, als ob sich vieles gerade in der Phase befindet, kurz bevor der Startschuss fällt. Die Chiemgau Team Trophy, Local Heroes 2.0, meine erste Wettkampfsaison mit dem Tri Team Chieming. Auch manche meiner Ziele rücken näher. Beim 2. Poschmühlner Silvesterlauf konnte ich meine Zeit auf den sieben Kilometern erneut um zwei Minuten auf 36:37 Minuten verbessern. Wieder näher an einer Pace von unter fünf Minuten auf einen Kilometer.

Fünf, vier, drei, zwei, eins, los.