Local Hero Andrea Seehuber bloggt: Off-Season

Seit vier Tagen bin ich von meiner dreiwöchigen Städtereise zurück und war an zwei davon mit meiner Mama auf dem Berg. Die schönsten Wanderungen, die ich jemals gemacht habe.

Erstmal war es derart zufriedenstellend wieder richtig Sport zu treiben. Meine beste Freundin Sabrina und ich haben zwar viele Schritte zurückgelegt, dennoch habe ich sehnsuchtsvoll Läufern und Radfahrern nachgeblickt und mich nach Auspowern gesehnt. Drei Wochen lang habe ich keine Medizin gegen den Triathlon-Virus in mir genommen und mit Medizin meine ich Schwimmen, Radfahren, Laufen, Krafttraining, alternative Sportarten. Ich könnte also nicht motivierter sein, nicht mehr Lust auf Training haben.

Dann waren es grandiose Ziele, die ich davor noch nicht kannte, von dem Wetter ganz zu schweigen. Beide Male bewegten wir uns auf etwa 1400m: auf der Enzian Hütte und der Piesenhausener Hochalm. Mit insgesamt vier Stunden Gehzeit war es im Vergleich zu anderen Almen schön lang und, mein Gott, diese Ausblicke.

Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt: nichts ist schöner als der Chiemgau. Wie glücklich ich bin, ihn meine Heimat nennen zu dürfen. Wenn ich mir über etwas im Klaren geworden bin, dann dass ich auf lange Sicht hierbleiben will und Berge um mich brauche.

Aber versteht mich nicht falsch, der Trip durch fünf große europäische Städte war eine unfassbar gute Zeit. Zürich, Paris, Dublin, London, Amsterdam. Der Trip von dem Sabrina und ich schon seit der Mittelstufe geträumt haben. Mit dem Rucksack sollte er sein, für uns das Symbol von Abenteuer, Jungsein und unkonventionellem Reisen. Gut, letzteres ist es vielleicht nicht mehr und auch wenn man zwischen den Stimmungen „Wahnsinn, ist mein Rucksack geräumig!“ und „Oh Gott, ich hab keinen Platz mehr“ schwankt, würde ich es genauso wieder tun.

Besondere Reise-Souvenirs

Weniger Stauraum im Laufe der Reise habe ich selbst zu verantworten. Mehrere Bücher haben den Weg zu mir nach Hause gefunden. Was das betrifft, kann ich einfach nicht widerstehen. Aber wie glücklich ich über meine Funde bin! Besonders bewegt mich „Silence in the Age of Noise“ von Erling Kagge, einem norwegischen Entdecker, der Erste auf allen „drei Polen“: Nordpol, Südpol und Mount Everest. Ich schreibe hier die ersten Zeilen seines Buches auf, in dem sicheren Glauben, dass sie euch genauso packen werden wie mich. „Only when I understood that I had a primal need for silence was I able to begin my search for it – and there, deep beneath a cacophony of traffic noise and thoughts, music and machinery, iPhones and snow ploughs, it lay in wait for me. Silence.”



Alles Kopfsache

Gestern durfte die Welt das Spektakel von Kona verfolgen, den Ironman auf Hawaii. Patrick Lange legte die etwa 226 Kilometer in knapp acht Stunden zurück, andere Zeiten gehen rauf bis 14 oder 15 Stunden. Eine lange Zeit, in der man mit seinen Gedanken allein ist. Ganz zu schweigen von den unzähligen Stunden Vorbereitung. Für mich ist das auch eine Form der Stille von der Kagge spricht. Zeit, in der die Konzentration einzig dem eigenen Körper gilt. Zumindest sollte es so sein. Ich bin die erste, die ein Lied davon singen kann, wie es ist, wenn Gedanken ständig wandern. „Master your mind“ – ich habe Hochachtung vor jedem, der das von sich behaupten kann. Denn beim Triathlon im Allgemeinen und den Langdistanzen im Speziellen ist das von entscheidender Bedeutung. Patrick Lange sagte im Ziel: „Der Kopf ist der Schlüssel.“ Wobei das natürlich für alles gilt.

So viel zum Thema „Kontrolle über die eigenen Gedanken“ und dem „Wesen der Stille“, die Philosophin in mir sollte zufriedengestellt sein. Mit den anderen Büchern fange ich am besten gar nicht erst an. 😉